Das finale Gin-Rezept, das große Brennen | BRENNLUST-Blog
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Das finale Rezept, das große Brennen.

Vom ersten Brenntag an der großen Brennerei.

4. Dezember 2016

BRENNLUST | Ein Blick in die Brennblase

Ja, richtig gelesen, wir haben tatsächlich das finale Rezept kreiert und ich war endlich bereit, dieses Rezept nun auf unserer großen Destillieranlage anzuwenden. Das Rezept ist sagenhaft, es ist schlicht und besteht lediglich aus 6 Botanicals und bereitet eine außerordentliche Gaumenfreude.

So ein Brennvorhaben ist aufregend – schließlich setzt man eine Menge Material ein: Etliche Liter Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs und viele Botanicals in hoher Qualität. Und so hofft man, dass das Ergebnis das am Ende aus der Destillieranlage läuft, fabelhaft ist. Das Brennen auf einer großen Anlage ist natürlich um einiges aufwendiger, als auf der kleinen Versuchsdestille – eine sorgfältige Planung ist unabdingbar. Man fragt sich, ob Lieferanten rechtzeitig liefern, da man seine frischen Produkte natürlich knapp terminiert und ob die Früchte von gewohnter Qualität sind.

Da bei uns alles in eigener Handarbeit erfolgt, musste ich mich zunächst fragen: „Auf welchen Tag bekomme ich ausreichend Helfer um meine viele Limetten zu schälen und die vielen Wacholderbeeren zu verarbeiten?“. Eine wichtige Frage, denn die Botanicals sollten zügig verarbeitet werden und so frisch wie möglich eingesetzt werden. Zudem ist man gezwungen, den Brenntag und die Brennzeiten, die man dem Zoll mitgeteilt hat, einzuhalten (insbesondere das Brennende!). Verzögerungen, die sich verschleppen, können in einer Farce enden.

Ich hatte zum Glück ausreichend Helfer, die sorgfältige Handarbeit geleistet haben, sodass wir mit dem Brennen pünktlich starten konnten.

Was macht man eigentlich alles, wenn man brennt?

Hier eine knappe Abfolge dessen, was bei einem Brenntag geschieht:

  1. Die Brennblase mit den Rohstoffen füllen (Bei Obstbränden ist das Maische, bei Gin das Mazerat oder eben der Ethylalkohol, Wasser und die Botanicals.
  2. Feuer machen, bzw. anheizen. Wir haben noch eine klassische Holzbefeuerung, daher heißt es: Holz schleppen!
  3. Kühlwasser aufdrehen! Das wichtigste beim Brennen überhaupt – ohne die Kühlung kann der gesiedete Alkohol nicht kondensieren und würde als Alkoholdampf aus der Destille kommen – was zu einer hochexplosiven Angelegenheit werden kann.
  4. Warten: Ja, dann wartet man erstmal eine ganze Weile, bis 150 Liter Brennmaterial kocht. Zeit um Zeitung zu lesen – aber nicht vergessen das Feuer zu schüren!
  5. Der erste Tropfen: Naja, eigentlich tropft es nicht, wie bei der kleinen Versuchsbrennerei, sondern es läuft, ein kleiner, feiner Strahl. Je nach dem, wie fein der Ethylalkohol ist, den man eingesetzt hat, muss man kleine Mengen an „Vorlauf“ abtrennen. Denn Kleinstmengen an Methanol sind auch noch in Neutralalkohol vorhanden – können aber, aufgrund des geringeren Siedepunkts relativ leicht abgetrennt werden.
  6. Und dann läuft es erstmal über mehrere Stunden: abhängig davon, wieviel Ethylalkohol in der Brennblase enthalten sind, dauert auch der Brennvorgang. Bei uns hat es mehrere Stunden gedauert.
  7. Das Aroma: Das Aroma des Destillats verändert sich hier im Laufe des Destillierens. Manche Aromen werden bereits am Anfang freigesetzt, weil sie leichtsiedend sind – andere wiederum sind „schwerer“ und werden erst gegen Ende eines Brennvorgangs freigesetzt. Eine Verkostung des Destillats während des Brennvorgangs kann also vom endgültigen Destillat deutlich abweichen.
  8. Gegen Ende eines Brennvorgangs wird das Destillat an Alkoholgehalt schwächer, die Aromen lassen deutlich nach – Zeit auf „Nachlauf“ umzustellen – also die letzten Alkoholbestandteile aus der Maische rauszukitzeln, aber gesondert aufzufangen. Denn muffigen Alkohol will man schließlich nicht im Glas – aber auch nicht auf den Müll kippen.
  9. Am Ende hat man sein Fässchen mit hochprozentigem Gin, bei uns waren es 80,5 %vol. Bevor man ihn aber auf trinkbare Stärke „runtersetzt“ sollte man ein wenig Zeit vergehen lassen. Der Gin ist noch „gestresst“ und hat vorerst genug Strapazen hinter sich.

Ach ja: Das Ergebnis ist natürlich hervorragend! Der Gin schmeckt uns sehr, sehr gut – und in Anbetracht dessen, dass der Gin noch eine Ruhephase vor sich hat, in der er runder wird, können wir uns auf das endgültige Ergebnis schon jetzt freuen.

Brennerin und Inhaberin von BRENNLUST, Andrea Koch

Autorin Andrea

Ich brenne nicht nur für mein Leben gerne - sondern teile mein Wissen, Erfahrung und Leidenschaft auch gerne mit meinen Mitmenschen! 😉 In meinen Blogbeiträgen zeige ich Euch bewährte Rezepte, berichte von meinen Brennerfahrungen - und kläre Fragen rund um das Thema Brennen.

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